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Demografischer-Wandel: Azubi-Wohngemeinschaften als Standortvorteil

Im ländlichen Raum werden die jungen Menschen weniger. Der Kampf um Fachkräfte und Auszubildende hat bei den Unternehmen längst begonnen. In Brandenburg werden den Azubis teilweise heute schon Dienstwagen gestellt, um attraktiver zu sein, als die Konkurrenz. Auch neue Wohnformen für Auszubildende können zum Standortvorteil werden.

Unsere Demografieberater Erik Flügge und Alexandra Schmitz sind in der vergangenen Woche an zwei ganz unterschiedlichen Stellen unterwegs. Der eine in der schwäbischen Provinz in einer interkommunalen Runde unter Beteiligung von Bürgermeistern, Kreis- und Gemeinderäten und die andere auf der Bundeskonferenz der Kolpingjugend in der Nähe von Hamburg. Mit beiden Gruppen nutzen sie unsere Methode „Demografie-Simulation 2050“, um den Blick für neue Lösungen in der Gestaltung des Wandels in den ländlichen Gemeinden zu schärfen.

Im Weissacher Tal werden schnell von der Gruppe klare Konsequenzen gezogen. Wenn es weniger Jugendliche gibt und sie weiterhin ein breites Angebot zur Freizeitgestaltung haben sollen, dann müssen mehr Aktivitäten im lokalen Schulzentrum zusammen gezogen werden. Denn weniger Jugendliche sorgen dort für freie Räume und damit für Freiräume, damit Verbände, Vereine und Initiativen sich an der Schule tummeln können. Das ist ein guter Weg, um teure Liegenschaften einzusparen, das dann in konkrete Angebote für Jugendliche investiert werden kann.

Nach einer längeren Diskussion fällt allerdings auf, dass ausgerechnet die dringend gesuchten Auszubildenden dabei auf der Strecke bleiben. Sie sind keine Schüler mehr, sie werden es damit schwer haben, im Schulzentrum als jugendkulturellem Ort Anschluss zu halten oder anzukommen.

Sozialleben durch Azubi-Wohnformen

In den ländlichen Kommunen wird heute schon viel über neue Wohnformen für älter werdende Menschen nachgedacht und noch viel zu wenig über neue Wohnformen für junge Menschen in Ausbildung. In Zukunft werden erfolgreiche Unternehmen unter Aufbietung aller Kräfte Auszubildende weit über den Lokalraum hinaus versuchen zu werben. Wenn sie damit Erfolg haben, dann ist es dramatisch, wenn junge Menschen an einen Ort kommen, wo Angebote für Jugendliche nur noch in der Schule zu finden sind und sie dazu keinen Zugang finden. Soziale Vereinsamung ist die traurige Konsequenz.

Den Trend der Verlagerung von Jugendarbeit in die Schule wird man nicht aufhalten können, aber man kann die Anschlussfähigkeit für Auszubildende gestalten. Ein gutes Mittel hierfür ist die bewusste Schaffung von Azubi-Wohngemeinschaften oder Azubi-Wohnheimen. Genau wie Studierende froh sind, wenn sie die erste Zeit in der fremden Stadt nicht alleine wohnen müssen, sondern gemeinsam mit Gleichaltrigen, ist auch das Gemeinschaftserlebnis für Auszubildende wichtig. Eine eigene Bude können sich Auszubildende von ihren Gehältern kaum leisten, außer die Eltern unterstützen finanziell. Aber selbst wenn sich durch erhöhten Druck auf dem Fachkräftemarkt die Bezahlung von Auszubildenden verbessern sollte, so fehlt es auf dem Land an passendem Wohnraum für jugendliche Wohngemeinschaften. Das lässt sich ändern.

In einer gemeinsamen Anstrengung von Kommunen und Betrieben lassen sich neue Wohnformen lokal entwickeln, die es ermöglichen, dass Jugendliche von außerhalb schnell Anschluss vor Ort finden, wenn sie eine Ausbildung beginnen. Darüber hinaus ermöglichen solche Wohnformen auch das sich selbst vom Elternhaus „befreien“, ohne dafür wegziehen zu müssen. Ein klarer Standortvorteil für schrumpfende Gemeinden.

Was diskutiert der Kolping-Verband?

Bei Kolping wird viel über die Veränderung der heutigen Verbandsstrukturen in der Jugendarbeit nachgedacht. Nicht jeder Gedanke fällt dabei leicht, denn oft geht es um Verkleinerung, Zusammenlegung oder gar Aufgabe. Natürlich ist auch dort allen klar, dass die Jugendarbeit sich näher an die Schule binden muss, aber gleichzeitig sieht der Verband auch die großen Risiken, wenn zukünftig alles an Schule stattfinden soll. Ein Diskussionsstrang im Workshop von Alexandra Schmitz weist allerdings auch in die Richtung möglicher Kooperationen des Kolping-Verbandes mit Betrieben.

Die Kolping-Jugend hat Auszubildende als Kernzielgruppe, daher liegt die Kooperation mit Betrieben nahe. Nur mit welchem Angebot soll man auf Betriebe zugehen? – Vielleicht liegt im Gedanken aus dem Weissacher Tal die Antwort auf die Frage. Auszubildende sind minderjährig und sie alleine und ohne Begleitung wohnen zu lassen, ist schwer, wenn die Eltern nicht in der Nähe leben. Kolping könnte genau hier seine Stärke nutzen. Der Verband könnte junge Auszubildende vor Ort begleiten auf dem Weg in die Unabhängigkeit vom Elternhaus. Der Verband könnte Betrieben bei der Bewältigung von Erziehungskonflikten unterstützen und die Azubis darin begleiten, auch Anschluss an die Jugendarbeit in den Schulzentren zu finden. Wenn der Verband ein gutes Angebot entwickelt, dann kann das vielleicht so sehr zu einem Standortvorteil beitragen, dass Betriebe in der Gemeinde bereit sind, diese Arbeit mit zu finanzieren.

Am Ende ist der demografische Wandel in unserer Gesellschaft nicht nur eine Herausforderung, sondern immer auch eine Chance, sich neu zu erfinden.

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